„Blühe, wachse und gedeihe …“

110 Jahre RVPG

1909 wurde durch Schüler und Lehrer des damaligen Pädagogiums, heute Otto-Kühne-Schule, ein eigenständiger Ruderverein gegründet, der Ruderverein Pädagogium Godesberg, kurz RVPG. Damals hatte es eine Welle von Rudervereinsgründungen gegeben, körperliche Ertüchtigung stand hoch im Kurs, das Rudern galt als schick. Warum nicht auch in Bad Godesberg auf dem Rhein rudern.

Entwurf für das Bootshaus 1909

Hätte damals nicht der Schulgründer Otto Kühne das Grundstück erworben und unmittelbar mit der Planung und dem Bau des Bootshauses angefangen, wäre es sicherlich auch schnell wieder mit dem Rudersport in Bad Godesberg vorbei gewesen. So wäre dann auch unser Nachbarverein, der Wassersportverein Godesberg, nicht in den Räumen des RVPG gegründet worden. Eine glückliche Fügung für den Rudersport in Godesberg.

Mit Haus und Bootspark war man gut ausgestattet, die Mitgliederzahl und geruderte Kilometer entwickelten sich gut. Das Bootshaus mit seinem Turm und den markanten Toren und Fenstern gehörte damals wie heute zu den schönsten Bootshäusern am Rhein. Otto Kühne Senior hatte damit Generationen von Schülern ein riesiges Geschenk gemacht, wovon heute noch der Verein zehrt. Von Generation zu Generation werden die Aufgaben der Schülerselbstverwaltung weitergegeben. Ruderbetrieb, Haus, Garten und Boote liegen im Aufgabenbereich eines Schülervorstandes, einige Ehemalige haben die Aufgaben des geschäftsführenden Vorstandes übernommen.

Das Ruderhaus war sicherlich eine der Konstanten, die nach Krisen für einen Neuanfang sorgte. Als der Ruderbetrieb im ersten Weltkrieg zum Erliegen kam oder gar während der Vereinsschließung im Nationalsozialismus, die Wiederbelebung des Vereinsbetriebes in den frühen 80er Jahren, jedes Mal war das Vereinshaus der Identifikationspunkt, um einen Neustart zu wagen.

Am Bootshaus

Der RVPG besitzt noch heute ein Boot von 1918, wohl eins der ältesten Ruderboote am Rhein. Dies führt den heutigen Ruderern vor Augen, wie alt der Verein ist und dass die alte Idee hinter unserem Schülerruderverein auch heute noch aktuell ist.

Inzwischen hat der Verein nicht ganz 200 Mitglieder, Jahr für Jahr lernen in der 6. Klasse 20 bis 30 Schüler bei einem „Startercamp“ auf dem Otto-Maigler-See das Rudern. Das ist seit fast 40 Jahren so, der See bietet ruhige Möglichkeiten den Sport zu erlernen. Doch im Alltag wird auf dem Rhein gerudert, sicherlich in einem der schönsten Ruderreviere Deutschlands, zwischen Drachenfells und Rolandsbogen, vorbei an Nonnenwerth. Vom Gewässer her nicht nur romantisch sondern mit starker Strömung und vielen Kribben anspruchsvoll und durch den Schiffsverkehr auch nicht ganz ohne Gefahren. Deshalb werden die Schüler Schritt für Schritt ausgebildet, bis sie selbstständig die Verantwortung für eine Mannschaft und ein Boot übernehmen können.

Verantwortung übernehmen ist auch eine der wichtigen Anforderungen, die der Ruderverein seinen Mitgliedern abverlangt. Verantwortung für andere, Verantwortung für die Jüngeren, für Boote und Bootshaus. Zu verschiedenen Ruderterminen treffen sich die Mitglieder, Ehemalige und Schüler oft in einem Boot und alle bindet der Rudersport und die Schulzeit am Päda aneinander. In der Woche wird trainiert und ausgebildet, Samstags sind meist die Älteren unterwegs und in den Sommermonaten gibt es Frühsport noch vor Schulbeginn. An zwei Nachmittagen wird auch im Rahmen des Sportunterrichts ab der 9. Klasse gerudert. Dies ist eine weitere schon lange bestehende Bindung zwischen dem Verein und der Schule.

Im Winter wird es schwieriger. Aus Sicherheitsgründen wird der Ruderbetrieb bis auf Ausnahmen eingestellt. Die Ruderer weichen dann auf das Wintertraining in der Halle oder auf die Rudermaschine aus. Wie froh sind alle, wenn es im Frühjahr wieder auf den Rhein geht.

So sehr der Verein betont, er sei selbstständig, die enge Bindung an das Päda ist spürbar. Bootsnahmen wie Otto Kühne, Klotto oder Päda zeugen davon. Schließlich sind es die Pädaschüler, die während Ihrer Schulzeit viele Kilometer im RVPG zurücklegen und viel Zeit dort verbringen. Immer wieder waren es ehemalige Ruderer, die viel für den Ruderverein gemacht haben, sich engagierten oder großzügig in die Tasche griffen und oft unerwartet nach Jahrzehnten der Abwesenheit an uns gedacht haben. Konny Oebel, ruderbegeisterter Kölner Bäckermeister und lange auch unser Vorsitzender konnte es nicht lassen neue Boote zu organisieren und sogar einen Trainer auf eigene Kosten zu engagieren, Ulrich Lockau rettete mit seiner Baufirma das Haus vor dem Verfall, die wenigen vom 2. Weltkrieg Verschonten der Abiklasse 1940 stifteten ein Boot und aus dem Erbe des Ehemaligen und gefallenen U-Boot Kapitäns Jürgen March wurde ein wunderschöner C-Vierer finanziert. Die Liste ließe sich immer weiterführen, jedoch sollte Klaus Otto Kühne (Enkel von Otto Kühne und liebevoll Klotto genannt) nicht vergessen werden, für den der Verein wie ein weiteres Kind war und der immer ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Ruderer hatte.

Oft hatte auch die Schulpolitik direkten Einfluss auf den Ruderverein. Die Verkürzung der Schulzeit von G9 auf G8 war nicht vorteilhaft für den RVPG. Es fehlte schlicht ein ganzes Schuljahr zum Rudern, was direkt sich auf den Vereinsalltag auswirkte. Auch haben die Schüler heute weniger Zeit. Neben den vielen Aufgaben aus dem schulischen Bereich, weiteren schulischen Angeboten, wie Chor und Orchester, buhlen viele andere Freizeitaktivitäten um die Jugendlichen. Doch inzwischen stellt das Päda wieder auf G9 um.

Das erste Boot! „Jupp“

Der Schwerpunkt liegt im RVPG auf dem Breitensport. Es werden zwar Regatten besucht, doch sind das meist Langstreckenregatten wie die Bonner EUREGA. Natürlich würde uns eine sportlich erfolgreiche Regattamannschaft freuen, doch ist uns als Verein das gemeinsame Erlebnis zwischen verschiedenen Generationen wichtig. Von daher planen wir verstärkt Wanderfahrten, sind auf Tagestouren unterwegs und erkunden gerne auch andere Gewässer. Uns liegt viel daran die Schüler möglichst oft aufs Wasser zu bringen. Dabei geht es weniger um geruderte Kilometer oder Medaillenerfolge, sondern um den oft bitter nötigen Ausgleich vom Alltag vieler Jugendlicher, mit Schule, Lernen, Nachhilfe, Computer und vor Allem zu wenig Bewegung.

Rudern ist ein besonders gesunder Ausdauersport, der alle Muskelgruppen anspricht, gleichzeitig aber wenig Gefahren von Sportverletzungen in sich birgt, weshalb dieser Sport nicht aus der Mode kommt. Besonders in den vielen Bonner Vereinen wird ausgesprochen viel gerudert. Doch was vom Ufer aus oft kinderleicht aussieht und deshalb gerne unterschätzt wird, ist tatsächlich ein komplexer Bewegungsablauf der geübt und stets verbessert werden muss. Der Aspekt des Mannschaftssport bringt zusätzliche Anforderungen an die Teamfähigkeit mit sich. Die korrekte Rudertechnik ist bei der Ausbildung der Sportler von besonderer Bedeutung.

Sicherheit wird sehr großgeschrieben, die Ausbildung der Ruderer und später der Steuerleute ist dem Verein besonders wichtig. Schließlich ist der Rhein Deutschlands meist befahrende Binnenwasserstraße. Dennoch sollen die Schüler sich nach Erreichen der Qualifikation selbstständig und sicher auf dem Gewässer bewegen können. Unsere vor Jahrzehnten entstandene Ruderordnung mit ihrem Sicherheits- und Qualifizierungskonzept ist für viele andere Vereine ein Vorbild gewesen.

Jungfernfahrt „Otto Kühne“ nach der Renovierung 2016

Das vereinseigene Bootsmaterial ist heute auf einen guten Stand. Doch kann der Ruderverein die Kosten für Bootsmaterial nicht alleine stemmen. Hier sind es die Ehemaligen, die im Päda im Ehemaligen-Verband VESDEP organisiert sind, die tatkräftig unterstützen. So geht dieses Jahr ein neues Boot zu Wasser, was hauptsächlich durch eine Spendenaktion des VESDEP zustande kam. Damit schenkt der VESDEP zu seinem eigenen 120 jährige Geburtstag dem 10 Jahre jüngeren Schwesterverein zu dessen 110. Geburtstag ein neues Boot. Es sollte nicht vergessen werden, dass auch die Sparkasse KölnBonn in bedenkenswerter Weise uns hier mit einer großzügigen Spende unter die Arme gegriffen hat.

Aktuell renovieren wir das Bootshaus von innen. Die Einrichtung ist in die Jahre gekommen und es musste das ein oder andere ersetzt werden. Das einzigartige Holzhaus ist wichtiger Bezugspunkt für die Mitglieder, besonders für die Schüler ein wichtiger Rückzugsort in einer Zeit voller steigender Ansprüche und Vorgaben. Mit einem Grinsen singen die Mitglieder immer noch gerne das über 100 Jahre Jahre alte Vereinslied, in dem es für heutige Schülerohren in veralteter Sprache heißt: „Blühe wachse und gedeihe, Du RVPGer Haus“.

RVPG-Lied

Bootshaus mit Bootspark vor dem 1. Weltkrieg
Einweihung Bootshaus 13. Juli 1910

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